Notepad++ berichtet, dass der Update-Verkehr im Jahr 2025 monatelang abgefangen wurde. Angreifer leiteten den Datenverkehr einzelner Nutzer gezielt auf schädliche Infrastruktur um. Laut BleepingComputer begann die Sicherheitslücke im Juni 2025 und endete am 2. Dezember, nachdem der Hosting-Anbieter den Angriff bemerkte und den Zugriff sperrte.
Der Vorfall verdeutlicht, dass „Download über HTTPS“ allein keine vollständige Sicherheit bietet. Update-Systeme benötigen eine strenge, durchgängige Verifizierung – denn gerade die Infrastruktur, der Sie vertrauen, kann kompromittiert werden.
Was die Angreifer ausnutzten
BleepingComputer beschreibt eine Sicherheitslücke in den Update-Verifizierungskontrollen älterer Notepad++-Versionen, die es Angreifern ermöglicht, manipulierte Update-Manifeste bereitzustellen und Downloads umzuleiten.
Die Kampagne war Berichten zufolge eng gefasst und selektiv, was darauf hindeutet, dass es dem Akteur mehr um den Zugang zu spezifischen Zielgruppen als um eine breite Verteilung geht.
Der Zeitablauf ist wichtig:
- Erster Kompromiss im Juni 2025
- Vorübergehende Störungen Anfang September nach Kernel-/Firmware-Updates
- Fortgesetzter Zugriff über gestohlene interne Zugangsdaten bis zum 2. Dezember
Dieser Schritt, bei dem die Zugangsdaten die Behebung überstanden haben, ist ein klassischer Fehler bei der Reaktion auf Sicherheitsvorfälle: Das Patchen des Servers reicht nicht aus, wenn der Angreifer bereits über die Schlüssel verfügt.
Was Notepad++ nach dem Vorfall geändert hat
BleepingComputer berichtet, dass Notepad++ seine Kunden zu einem neuen Hosting-Anbieter migriert, die Zugangsdaten aktualisiert und die Verifizierung verbessert hat.
Ab Version 8.8.9, WinGUP:
- Überprüft Installationszertifikate und -signaturen
- Verwendet kryptografisch signiertes Update-XML
Das Projekt plant außerdem, in Version 8.9.2 eine obligatorische Überprüfung der Zertifikatssignatur einzuführen.
Diese Abfolge – optionale Prüfungen → strengere Prüfungen → obligatorische Prüfungen – entspricht genau der Art und Weise, wie die Softwareverteilung im Laufe der Zeit sicherer werden sollte.
Der Malware-Aspekt: Chrysalis und die Zuordnung
BleepingComputer verweist auf eine Studie von Rapid7, in der eine damit zusammenhängende Kampagne einer chinesischen APT-Gruppe namens Lotus Blossom (auch unter anderen Aliasnamen beschrieben) und einer von Rapid7 entwickelten Backdoor namens „Chrysalis“ zugeschrieben wird.
Bei gezielten Lieferkettenangriffen ist die Schadsoftware oft maßgeschneidert. Daher besteht die wichtigste Verteidigung nicht darin, „diese spezielle Schadsoftware zu erkennen“, sondern darin, „die Einschleusung unautorisierter Schadsoftware über den Updater zu erschweren“.
Was Organisationen anders machen sollten
Wenn Sie Software in einer Unternehmensumgebung verwalten, weist dieser Vorfall auf einige defensive Standardeinstellungen hin:
- Vermeiden Sie automatische Updater für Endverbraucher.bei kritischen Systemen, wo immer möglich.
- Nutzen Sie die verwaltete Softwareverteilung.(signierte Pakete in internen Repositories, Intune/SCCM usw.).
- Signaturen anheften und verifizierenfür Installationsprogramme und Updates.
- „Aktualisierungspfade“ überwachenals kritische Infrastruktur: DNS, TLS-Inspektionsrichtlinien, Proxy-Verhalten und Endpunkt-Ausführungsketten.
Für Einzelnutzer sind die praktischen Schritte einfacher:
- Aktualisieren Sie Notepad++ von der offiziellen Website auf die aktuelle Version.
- Seien Sie misstrauisch gegenüber Update-Aufforderungen, die nicht wie der normale Installer aussehen.
- Vermeiden Sie „Jetzt herunterladen“-Anzeigen in den Suchergebnissen, die offizielle Seiten imitieren.
Fazit
Der sechsmonatige Update-Hijacking-Vorfall bei Notepad++ war nicht auf einen einzelnen Fehler zurückzuführen, sondern auf mangelnde Vertrauenswürdigkeit. Wenn ein Angreifer das Manifest manipulieren kann oder die Signaturprüfungen unzureichend sind, werden „Updates“ per Definition zur Ausführung von Schadcode. Die Lösung ist eine durchgängige Verifizierung, die selbst dann nicht umgangen werden kann, wenn der Hosting-Anbieter übernommen wird.